Klein- oder Großprofil…?

Das Berlin U-Bahnnetz besteht aus zwei verschiedenen Typen von U-Bahnlinien:

  • Den Kleinprofillinien, sowie
  • Den Großprofillinien

Dass liegt daran, dass man im Jahre 1910 im damaligen Deutschen Reich erst das Kleinprofilnetz und anschließend in der Weimarer Republik das Großprofilnetz aufbaute. Der Grund warum es zwei unterschiedliche Systeme gibt ist, dass die Fahrzeugabmessungen des Kleinprofils um 1900 üblich waren und dass die Kapazität in den Großprofillinien wesentlich größer ist, als in den kleineren Linien.

Kleinprofil-U-Bahnzug vom Typ GI/1E auf der Linie U2

Die beiden Systeme sind betrieblich von einander getrennt, haben aber die gleiche Spurweite (1435mm). Sie besitzen jeweils eigene Betriebshöfe und -werkstätten. Nur einzelen Betriebsgleise, zum überführen von Arbeitsfahrzeugen, verbinden das Großprofilnetz mit dem Kleinprofilnetz

Im folgenden werden jetzt beide U-Bahntypen erläutert.

Kleinprofil:

Bei den Kleinprofillinien ist das Lichtraumprofil wesentlich kleiner als der UIC- beziehungsweise Deutschland-Standart für Bahnstrecken im Tunnel. Mit 2,3 m Breite entspricht er im Allgemeinen dem Standart von Straßenbahnwagen. Die Bahnsteigkante liegt 900 Milimeter über der Schienenoberkante. Die Stromzufuhr erfolgt über eine von oben bestrichene Stromschiene.

Wagen 1003 vom Typ HK im Hochbahnhof Kottbusser Tor

Die kleinste mögliche Einheit ist der Doppeltriebwagen, der auch, außer beim Typ HK, jeweils einem Triebwagen entspricht. Ein HK-Triebwagen hat die Ausmaße eines 4-Wagenzugs. Maximal können auf den Kleinprofillinien 8-Wagenzüge gebildet werden. Die Bestuhlung in den Fahrzeugen ist in allen Wägen längs zur Fahrtrichtung.

Das hätte es vor circa 25 Jahren nicht gegeben… Ein West-Berliner-U-Bahnzug auf einer DDR-U-Bahnlinie (Bahnhof Eberswalderstraße der U2)

Die Linien U1, U2, U3, U4 und die Verstärkerlinie U12 sind Bestandteil des Berliner Kleinprofilliniennetzes. Die Linie U1 fährt von der Haltestelle Uhlandstraße zur Warschauer Straße. Wie schon in einem meiner vorigen Beiträgen erwähnt gelangt man mit der U2 von Ruhleben nach Pankow. Die U3 fährt von Krumme Lanke in die Innenstadt zum Nollendorfplatz. Die zweitkürzeste Linie im Berliner U-Bahnnetz mit 5 Bahnhöfen ist die U4, die vom Innsbrucker Platz ebenfalls zum Nollendorfplatz verkehrt. Die U12 tritt nur bei besonderen Anlässen oder Baustellen zwischen Ruhleben und Warschauer Straße in Erscheinung.
Die Fahrzeuge die auf diesen Linien verkehren sind normalerweise A3-Wagenzüge (A3E und A3L) (auf allen Linien) sowie GI-Wagenzüge und Fahrzeuge vom Typ HK (jeweils auf der U2). Doch kann es Baustellen bedingt auch zu anderen Fahrzeugeinsätzen kommen, wie zur Zeit wegen Baustelle an der Bülowstraße (HK-Wagenzüge auf der U12). Das Netz verfügt über zwei Betriebsstätten. Die Abstellanlage an der Warschauer Straße sowie die Betriebswerkstatt Grunewald. Eine Verbindung zum Großprofilnetz befindet sich am Richard-Wagner-Platz und am Klostertunnel, zwischen Alex und Klosterplatz.

Blick auf die Abstellanlage an der Warschauer Straße

In den Jahren der geteilten Stadt lagen die meisten der Kleinprofil-U-Bahnen in West-Berlin, nur der Bahnhof Warschauer Straße der U1 und die Strecke Potsdamer Platz – Pankow der U2 lagen auf Ost-Berliner Seite.

Wagen 1023 der U12 im Endbahnhof Warschauer Straße

 

Großprofil:

1923 wurde die erste Großprofillinie eröffnet. Es war das Stammnetz der heutigen U6. Das Lichtraumprofil auf den Großprofillinien entspricht mit 2,65 Meter dem klassischen U- und Stadtbahnprofil in Deutschland, wie es auch in München und Frankfurt zum Einsatz kommt. Die Bahnsteigkante liegt wie beim Kleinprofil bei 900 Milimeter. Eine Stromschiene am Rand der Gleise sichert die Stromzufuhr der einzelnen U-Bahnwagen. Doch wird diese nicht wie bei den kleineren Geschwistern von oben sondern von unten bestrichen. Diese Art der Stromzufuhr ermöglicht einen höheren Sicherheitsstandard, da man bei einem Sturz ins Gleis schwieriger an die Stromschiene gelangt.

Wagen 2994 auf der Großprofil-U-Bahnlinie U6 richtung Kurt-Schumacher-Platz

Die Bahnsteiglänge auf den Großprofillinien lässt maximal 6-Wagenzüge zu, also drei Doppeltriebwagen. Nur der Typ H, der einem 6-Wagenzug entspricht, verkehrt allein pro Zug. Die Bahnsteiglänge beträgt im Durchschnitt 100m.

Ein Wagen des Typs H auf der U8 in richtung Wittemau im Bahnhof Alexanderplatz

Großprofillinien sind alle Linien mit einstelligen Nummernbezeichnungen größer als die U4 sowie die U55. Die Linie U5 verkehrt von Hönow zum Alexanderplatz. Der Mini-Ableger der U5 ist die U55, die wie schon erwähnt vom Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof verkehrt. Im Jahre 2019 wird die U55 voraussichtlich durch die Verlängerung der U5 in die U5 aufgehen. Die erste Großprofillinie die U6 verbindet Alt-Tegel mit Alt-Mariendorf. Rudow wird mit dem Spandauer Rathaus durch die U7 verbunden. Die ehemalige GN-Bahn die heutige U8 verbindet die Herrmannstraße mit Wittenau. Die U-Bahn mit der höchsten Nummer – außer U12 und U55 – im Berliner U-Bahnnetz ist die U9. Sie stellt die Verbindung zwischen dem Rathaus Steglitz und der Osloer Straße her.

F79-Wagen 2669 in einem der drei U-Bahnhöf der U55 – dem Hauptbahnhof

Auf allen Großprofillinien kommen sowohl die F-Wagenzüge beider Generationen als auch die modernen H-Triebwagen zum Einsatz. Die einzige Ausnahme ist die U55, auf der nur F79-Doppeltriebwagen im Pendel verkehren. Die Hauptwerkstatt des Großprofilnetzes liegt an der Seestraße. Außerdem gibt es noch Betriebswerkstätten in Britz und Friedrichsfelde sowie eine Abstellanlage in Hönow.

Im U-Bahnhof Stadtmitte kreuzen sich die Kleinprofillinie U2 mit der Großprofillinie U6 (2708 der F79-Baureihe)

Im Kalten Krieg lagen drei Großprofil-U-Bahnlinien auf dem Ost-Berliner Gebiet. Zum einen die Linie E, die heutige U5, die komplet  in der DDR lag. Zum anderen Teile der Linien U6 und U8, da diese durch die historische Stadtmitte, welche Teil von Berlin (Ost) war, verkehrten. Doch die Anfangs- und Endpunkte der beiden Linien lagen in West-Berlin. Somit musste man, wen man vom nördlichen Teil der Linie zum südlichen wollte und umgekehrt, durch DDR-Gebiet. Dies missfiehl der SED-Regierung, da man dadurch leichter über – beziehungsweise unter – die Grenze zwischen den beiden Berliner Städten flüchten konnte. Als Konsequenz lies man die U-Bahnhöfe schließen. Die U-Bahnzüge der BVG (West) durchfuhren diese ab sofort ohne Halt. Die geschlossenen Bahnhöfe auf Ost-Berliner Seite waren auf der U6 der Abschnitt zwischen Schwartzkopffstraße und Stadtmitte und auf der U8 die Haltestellen zwischen Bernauer Straße und Heinrich-Heine-Straße. Die einzige Ausnahme hiervon bildete der Bahnhof Friedrichstraße, der als Grenzübergang zwischen BRD und DDR fungierte. Die geschlossenen Bahnhöfe wurden auch als Geisterbahnhöfe bezeichnet.

Im Kalten Krieg hieß es in den Geisterbahnhöfen, wozu auch der Bahnhof Bernauer Straße gehörte, langsam mit circa 15 bis 25 km/h durchfahren und nicht ins Augenmerk der bewaffneten Soldaten kommen

 

Blick auf das einzige befahrbare Gleis der U-Bahnlinie U55 – hier am Brandenburger Tor

Es gab mehrere Überlegungen die Kleinprofillinien auf Großprofil umzubauen, doch wurden alle wieder verworfen und keine bisher realisiert.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s